Kommentar im Blogpost "Flüchtlingsforschung gegen Mythen"

Auf dem FlüchtlingsforschungsBlog wurde heute ein Beitrag “Flüchtlingsforschung gegen Mythen. WissenschaftlerInnen diskutieren Behauptungen aus der Flüchtlingsdebatte” veröffentlicht, in dem ich einen (von sechs) Kommentaren verfasst habe.

Link zum Beitrag: http://fluechtlingsforschung.net/fluchtlingsforschung-gegen-mythen/ 

 

 


Mein Kommentar:  

  1. „Wir können nicht alle Flüchtlinge aus der ganzen Welt aufnehmen.“

Thomas De Maiziere, Bundesinnenminister, in: FAZ, 21.09.2015

 

Kommentiert von Dr. Ulrike Krause

Mit solchen Aussagen wird einerseits die vermeintlich begrenzten AufnahmekapazitätenDeutschlands hervorgehoben, und andererseits ein Bild davon gezeichnet, dass alle Flüchtlinge nach Europa bzw. Deutschland kommen wollen würden. Genau dies entspricht jedoch nicht den realen Entwicklungen. Obwohl ein Anstieg von Fluchtbewegungen auf globaler wie auch europäischer Ebene nachvollziehbar ist, so sind doch deutliche regionale Konzentrationen erkennbar. 2014 gab es weltweit ca. 70 Mio. ZwangsmigrantInnen: 38,2 Mio. Binnenvertriebene, 19,5 Mio. Flüchtlinge, 1,8 Mio. Asylsuchende und ca. 10 Mio. Staatenlose. Mit 86% war die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge in Entwicklungsländern in Afrika, Südamerika und Asien fernab von Europa – ein Trend der seit den 1960 Jahren besteht.

In der aktuellen Zeit prägen neben humanitären Krisen, die durch gewaltsame Konflikte hervorgerufen werden und zu massenhaften Fluchtbewegungen führen, auch langfristige Flüchtlingssituationen das Geschehen der globalen Zwangsmigration. Diese Langzeitsituationen haben eine durchschnittliche Dauer von 20 Jahren, wobei einige Situationen länger als 30 Jahre andauern. Folglich befinden sich viele Flüchtlinge länger als 3 Jahrzehnte im Exil, sodass bei weitem nicht alle Flüchtlinge erst kürzlich vertrieben wurden, und viele lange warten müssen, bis eine der drei dauerhaften Lösungen für sie gefunden wird. Dabei betonen vielfältige unterschiedliche Studien, dass die Lebensbedingungen der Flüchtlinge in Krisen wie auch Langzeitsituationen häufig geprägt sind von Restriktionen und Gefahren sowie nicht hinreichenden Unterstützungsmaßnahmen.

Mit der aktuell größten Krise in Syrien bricht die verfestigte globale Nord-Süd-Polarisierung ein Stück weit zusammen, da ein Krisenherd näher an Europa rückt, sodass Flüchtlinge auch in Europa nach Asyl suchen. Jedoch darf Syrien nicht als die einzige Flüchtlingskriese dargestellt, sondern muss das weltweite Ausmaß in vielen Regionen berücksichtigt werden.