Neues Forschungsprojekt

Das neue Forschungsprojekt mit dem Titel Globaler Flüchtlingsschutz und lokales Flüchtlingsengagement. Ausmaß und Grenzen von Agency in gemeindebasierten NGOs von Flüchtlingen hat zum 1. Mai 2016 begonnen. Es wird von der Gerda Henkel Stiftung gefördert.

Im Projekt wird untersucht, wie Flüchtlinge zu ihrem eigenen Schutz beitragen. In den letzten drei Jahrzehnten wurden Flüchtlinge sowohl im wissenschaftlichen als auch im öffentlichen Diskurs hauptsächlich als passive Opfer gerahmt, die auf Schutz und Hilfe externer Akteure angewiesen sind. Aufgrund ihrer Vulnerabilität auf der Flucht und in Flüchtlingslagern werden sie vielmehr als HilfsempfängerInnen – anstelle als AkteurInnen – ihrer eigenen Zukunft sowie als passive und homogene Gruppe dargestellt, wobei ihre unterschiedlichen sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Interessen sowie Hintergründe unbeachtet bleiben. Obwohl das Flüchtlingsregime für den Schutz und somit die Sicherheit von Flüchtlingen verantwortlich ist, sind Flüchtlinge nicht nur schlechten Lebensbedingungen, sondern auch unterschiedlichen Gewaltformen in Lagern und anderen Umgebungen ausgesetzt. Dabei wurde weitestgehend vernachlässigt, wie sich Flüchtlinge über den institutionellen Flüchtlingsschutz hinaus für ihre eigene Sicherheit einsetzen. An diesem Punkt greift das Forschungsprojekt an.

Das Ziel des Projekts ist es zu untersuchen, wie sich Flüchtlinge für ihre Sicherheit engagieren. Im Besonderen geht es darum, wie Flüchtlinge mit Hilfe von gemeindebasierten Organisationen, die durch Flüchtlinge initiiert sind und geleitete werden, zu ihrem Schutz beitragen. Somit sind agency und Resilienzprozesse von Flüchtlingen zentral im Projekt. Dafür wird Feldforschung in Uganda in einem Flüchtlingslager und einem urbanen Kontext durchgeführt.

Weitere Informationen zum Projekt hier: Link

 

Pünktlich zum Projektbeginn hab die Philipps-Universität Marburg eine Pressemitteilung zum Projekt heraus:

Wie sich Flüchtlinge selbst schützen

Engagement von Flüchtlingen für ihre eigene Sicherheit steht im Fokus eines neuen Marburger Forschungsprojekts.

Die „Gerda-Henkel-Stiftung“ fördert ein neues Forschungsprojekt am Zentrum für Konfliktforschung der Philipps-Universität, das untersucht, wie Flüchtlinge in Camps und urbanen Regionen zu ihrem eigenen Schutz beitragen. Bis 2018 stellt die Stiftung rund 120.000 Euro für das Projekt unter dem Titel „Globaler Flüchtlingsschutz und lokales Flüchtlingsengagement – Ausmaß und Grenzen von Agency in gemeindebasierten NGOs von Flüchtlingen“ zur Verfügung.

Fluechtlingsselbstschutz
Das Projektteam um Dr. Ulrike Krause von der Philipps-Universität forscht unter anderem in der ugandischen Hauptstadt Kampala, wo viele Flüchtlinge leben. (Foto: Ulrike Krause, Philipps-Universität Marburg)

Die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge weltweit lebt nicht in Europa, sondern in Entwicklungsländern. „In den letzten drei Jahrzehnten wurden Flüchtlinge sowohl im wissenschaftlichen als auch im öffentlichen Diskurs hauptsächlich als passive Opfer dargestellt, die auf Schutz und Hilfe externer Akteure angewiesen sind“, erklärt Projektleiterin Dr. Ulrike Krause vom Marburger Zentrum für Konfliktforschung. „Sie erscheinen einseitig als Hilfsempfänger sowie als passive und homogene Gruppe. Ihre unterschiedlichen sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Interessen sowie Hintergründe bleiben weitgehend unbeachtet.“

„Bislang hat die Forschung weitestgehend vernachlässigt, wie sich Flüchtlinge über den institutionellen Flüchtlingsschutz hinaus für ihre eigene Sicherheit einsetzen“, sagt Krause – etwa in Form von Frauengruppen zur gegenseitigen Unterstützung, Stammesältesten bei der lokalen Konfliktbearbeitung oder Kollektiven für Erwachsenenbildung.

Die Konfliktforscherin will diese Forschungslücke mit ihrem aktuellen Projekt füllen. Dessen Ziel besteht darin, zu untersuchen, wie sich Flüchtlinge für ihre Sicherheit engagieren. Wie die Projektleiterin darlegt, geht es insbesondere darum, „wie sich Flüchtlinge in Lagern und im städtischen Umfeld organisieren und welche Möglichkeiten solche Gruppen haben, ihre Sicherheitslage zu verbessern“. Zu diesem Zweck führen Krause und die Doktorandin Hannah Schmidt Feldforschung in einem Flüchtlingslager sowie in urbanem Kontext in Uganda durch, wo mehr als eine halbe Million Flüchtlinge leben.

Dr. Ulrike Krause arbeitet am Zentrum für Konfliktforschung der Philipps-Universität zum Thema konfliktbedingte Flucht und Flüchtlingsschutz. Soeben hat sie ein Forschungsprojekt zur sexuellen und geschlechterbasierten Gewalt gegen Frauen in Flüchtlingslagern abgeschlossen, das von Professorin Dr. Susanne Buckley-Zistel geleitet wurde.

 

Weitere Informationen:

Ansprechpartnerin: Dr. Ulrike Krause,
Zentrum für Konfliktforschung

Projekthomepage: www.uni-marburg.de/konfliktforschung/personal/krause/projekt-fluechtlinge

Informationen zum vorherigen Projekt: www.uni-marburg.de/konfliktforschung/personal/buckley-zistel/genderbeziehungen